Die Inlandsarbeit stärken
Ausblick: Wohin entwickelt sich die Eine-Welt-Arbeit?
Wir haben unser Jubiläums-Projekt "Vision 2030" zum Anlass genommen, nach 20 Jahren Bestehen einen Blick in die Zukunft zu werfen. Bei den Visionärs-versammlungen und bei der Abschluss-veranstaltung am 1. Dezember 2011 in Düsseldorf haben viele Expert/innen und Engagierte daran mitgewirkt. Dafür danken wir allen Beteiligten und Förderern ganz herzlich!
Welches Fazit ziehen wir für das Eine Welt Netz NRW? Welche Trends und Erfahrungen schätzen wir als wichtig ein für die Zukunft der Eine Welt Arbeit?
Hier können Sie unsere Dokumente zur aktuellen Diskussion laden:
Unser Ziel: Die Inlandsarbeit stärken!
Bei Entwicklungspolitik denkt man zunächst an Hilfsprojekte, doch viele politische Entscheidungen, die das Leben der Menschen im Süden beeinflussen, müssen in Deutschland getroffen werden – vom Klimaschutz bis zur Handels- und Finanzpolitik. Politische Interessenvertretung und die Information über globale Zusammenhänge sind Ziele der sogenannten Inlandsarbeit.
Auch das Eine Welt Netz NRW hat – zum Beispiel mit der Förderung des Fairen Handels und des Klimaschutzes – hier sein Hauptfeld. Strategische Ansätze und Wirkungen der entwicklungspolitischen Inlandsarbeit standen im Mittelpunkt einer Konferenz, die der Verband Entwicklungspolitik Deutschland VENRO gemeinsam mit den Eine Welt Landesnetzwerken im November in Berlin durchführte. Das Ziel war, Eckpunkte einer gemeinsamen Strategie für ihre Stärkung festzulegen und die Bedeutung der Wirkungsorientierung in der Inlandsarbeit zu stärken und praktisch anwendbar zu machen.
Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gründet zurzeit eine Servicestelle, die in Zukunft für die Umsetzung der staatlichen Inlandsarbeit verantwortlich sein soll. Auch die Bundesländer haben ihre Entwicklungspolitik in den vergangenen Jahren neu aufgestellt und unter der Federführung Nordrhein-Westfalens einen neuen Beschluss zur Entwicklungspolitik verabschiedet.
Im Europäischen Parlament fand am 30. August 2011 die erste öffentliche Anhörung zum Thema „Entwicklungspolitische Inlandsarbeit“ statt. Andris Piebalgs, EU-Kommissar für Entwicklungspolitik, forderte in seiner Eröffnungsrede die Priorität der Inlandsarbeit herauf zu stufen: „Wir müssen unsere Anstrengungen verstärken, um nicht nur allgemeine Unterstützung für die Entwicklung zu erreichen, sondern (…) echtes Engagement seitens der Bürger.“
Wirkungs- und Kompetenzorientierung, Web2.0 und Förderung des Engagements sind die aktuell diskutierten Konzepte, über die eine Stärkung der Inlandsarbeit erreicht werden soll. Das Entwicklungsministerium, das Land Nordrhein-Westfalen und der Dachverband VENRO stellten ihre strategischen Ansätze im Umgang mit der entwicklungspolitischen Inlandsarbeit vor. In der Podiumsdiskussion wurde die Frage nach einer möglichen gemeinsamen Zielrichtung gestellt.
Visionärsversammlungen waren erfolgreich
Welche Inhalte und Trends werden die Eine-Welt-Arbeit in Zukunft am stärksten beeinflussen?
Wie sollte sich das Eine Welt Netz NRW als Zusammenschluss der Engagierten im Blick auf die kommenden 20 Jahre weiterentwickeln?
Diese Fragen standen im Mittelpunkt von drei Visionärsversammlungen, zu denen das Eine Welt Netz NRW im Juni und Juli 2011 ausgewählte Gäste eingeladen hatte.
Ziel war ein intensiver Austausch zur Eine-Welt-Arbeit der Zukunft. Über 40 Fachleute hatten die Einladung angenommen und diskutierten mit Engagierten aus der Eine Welt–Arbeit.
Anlass für die Visionärsversammlungen war der Beginn der Vernetzung auf Landesebene mit der Gründung des Eine Welt Netz NRW im Jahr 1991, der sich im Jahr 2011 zum zwanzigsten Mal jährt. Unter dem Motto „Vision 2030“ soll auch die Auseinandersetzung mit dem Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung soll vor dem Hintergrund der letzten 20 Jahre aktualisiert werden.
Fast alle Experten waren sich einig in der Erwartung, dass sich die Eine Welt Arbeit in den nächsten 20 Jahren stark verändern wird. „Ich bin zuversichtlich, dass das persönliche Engagement für eine gerechte und faire Welt in den nächsten Jahren stark zunehmen wird“ - zu dieser Einschätzung gingen die Meinungen bereits deutlich auseinander.
Für Bunmi Bolaji, Vorstandsmitglied des Deutsch-Afrika Ruhr Forums, steht den Klimawandel zukünftig im Vordergrund: „Der Tschad-See ist z.B. in den letzten 30 Jahren auf ein Drittel seiner Fläche eingetrocknet. Viele Menschen sind in ihrer Existenz bedroht, es gibt Konflikte ums Wasser. Hier sieht man, wie der Klimawandel zu einem Krieg eskalieren kann!“
Bei den Trends für die Eine Welt Arbeit erwartet Thomas Brose, Geschäftsführer des Klimabündnisses, keine großen Überraschungen: „Ich glaube nicht, dass es überraschenden neue Themen geben wird, aber manches wird sich stark dramatisieren. Wir bekommen eine „Brasilianisierung“ Europas, die soziale Polarisierung wird bei uns deutlich zunehmen. Die klassische Sicht „armer Süden – reicher Norden“ wird es so nicht mehr geben.“
Ähnlich sieht es Karl-Heinz Feldbaum, Bildungsreferent bei missio Aachen: „Die Grundstrukturfragen bleiben uns erhalten, manche Themen gibt es seit 30 Jahren, z.B. Agrarsubventionen oder Entschuldung. In Zukunft benötigen wir Bildungsarbeit nicht nur zu Einzelaspekten, sondern zu komplexen Strukturfragen, zur Transformation der globalen Wirtschaftsstruktur!“
Wer sich für die Eine Welt engagiert, wird sich künftig wohl mehr mit Wirtschaftsfragen befassen müssen – so zumindest erwarten es Martina Schaub, Geschäftsführerin des Südwind Instituts und Eberhard Neugebohrn von der Stiftung Umwelt und Entwicklung in Bonn: „Ich erwarte eine Neuausrichtung des Machtverhältnisses zwischen Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft. Nach wie vor ist ein neues Wirtschaftsmodell bzw. weitergehend ein neues Entwicklungsmodell nötig. Themen der Finanzmärkte bekommen eine höhere Bedeutung als die klassische Wirtschaft und der Handel.“ sagt Martina Schaub. „Wirtschaftskompetenz wird zur Erfolgsbedingung für Eine Welt Arbeit werden, doch diese fehlt heute noch sehr“ betont der Geschäftsführer der Stiftung.
An die Entwicklung der Weltwirtschaft denkt auch Gerd Deihle, Vorsitzender des Eine Welt Netz NRW, wenn er an die zukünftigen Rahmenbedingungen für Eine Welt-Arbeit denkt: „Konzerne wie Henkel oder Bayer werden viel weniger in Deutschland verankert sein. Manche werden auch ihre Zentralen in die Absatzmärkte und Produktionsstandorte verlegen, auch die Entwicklungsabteilungen mit ihren Innovationen. Das bedeutet für Deutschland sinkende Steuern, weniger Arbeitsplätze und einen Verlust von know-how.“ Udo Schlüter brachte diese Sorge auf den Punkt: „Wir haben kein Abo auf Wohlstand!“ Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass keineswegs jeder zuversichtlich war, dass das persönliche Engagement für eine gerechte und faire Welt in den nächsten Jahren stark zunehmen wird.
Die Visionärsversammlungen haben keine abschließenden Beschlüsse gefasst, viele Beiträge haben sich sogar widersprochen und diese Vielfalt war ausdrücklich erwünscht. Die Impulse und Diskussionsbeiträge wurden sorgfältig notiert. „In den nächsten Wochen werden wir daraus prägnante Thesen formulieren und jede Gelegenheit nutzen, diese Gedanken weiterzuführen. Außerdem stellen wir im Herbst eine neue Wanderausstellung vor, die sich ebenfalls mit der Zukunft der Eine Welt-Arbeit befassen wird“, sagt Manfred Belle, der das Projekt „Vision 2030“ leitet. Zu den Experten, von denen viele sich erstmals zur Eine Welt-Arbeit geäußert haben, will das Eine Welt Netz Kontakt halten: „Diese großartige Hilfe werden wir nicht vergessen!“
Hier finden Sie die Liste aller Mitwirkenden.
Hier finden Sie eine Zusammstellung prägnanter Zitate.
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So - 28.04.2013 (+) 








