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Darüber spricht man nicht -
Arbeitsrechtsverletzungen bei der Kleiderherstellung am Beispiel Marokko
Seit den späten 1980er Jahren hat sich Marokko zu einem wichtigen Zentrum der Textil- und Bekleidungsindustrie für den europäischen Markt entwickelt. Zu über 70 Prozent werden Frauen beschäftigt. Wohl wurden tausende Arbeitsplätze in den Industriegebieten von Rabat, Tanger sowie Casablanca geschaffen, doch sind die Lebensbedingungen besonders hart: Arbeitswochen von bis zu 76 Stunden, Gehälter unterhalb des gesetzlichen Mindestlohns und Existenzminimums und gesundheitsgefährdende Arbeitsbedingungen. Auf Einladung der europäischen Initiative „Networkwear“ besuchten zwei Aktivistinnen aus Marokko das Eine-Welt-Netz NRW in Düsseldorf. Dort schilderten sie den Arbeitsalltag sowie die Tätigkeit des Vereins „Asociación Attawassol“, der zur Stärkung der Selbstbestimmung der Frauen und Verbesserung der Arbeitsbedingungen gegründet wurde.
Das Fallbeispiel Marokko ist vor dem Hintergrund der Entwicklung und Dynamik der europäischen Bekleidungsindustrie und ihrer globalen Güterketten zu sehen.
Wie auch die europäische Initiative „Networkwear“ beschäftigt sich das Eine-Welt-Netz NRW mit dem Einkaufsverhalten der öffentlichen Hand.
Viele Kommunen in NRW hatten bereits Ratsbeschlüsse gefasst und erste Schritte unternommen, ihr Einkaufsverhalten auf öko-soziale Kriterien auszurichten. Doch inwieweit werden diese tatsächlich beschafft? Wo und unter welchen Bedingungen wird z.B. Arbeitskleidung für die Stadatreinigung, die Gärtner beim Grünflächenamt oder die Feuerwehr hergestellt? Inwieweit werden in den Produktionsländern die ILO Kernarbeitsnormen eingehalten wie Verzicht auf ausbeuterische Kinderarbiet, Gewerkschaftsfreiheit und Verzicht auf Zwangsarbeit? Mit der Verabschiedung des Tariftreue- und Vergabegestzes NRW ist ein weiterer wichtiger Schritt getan. Es kommt nun darauf an, entsprechende Instrumente zu schaffen, die Beschaffenden, Unternehmen sowie der Öffentlichkeit die Auswahl von Produkten, Transparenz, Kontrollen und Sanktionen ermöglicht.
Kontakt:
Kampagne für Saubere Kleidung (CCC), Christiane Schnura (Koordinatorin), Rudolfstr. 135, 42285 Wuppertal, Tel.: 0202 - 89 004 316, Fax: 0202 - 89 004 179, e-mail: ccc-d@vemission.org, Homepage: www.sauberekleidung.de
Eine Welt Netz NRW, Angela Schmitz
Ausgangssituation für die öko-soziale Beschaffung
Bund, Länder und Kommunen geben jährlich mehrere hundert Mrd. Euro für Güter und Dienstleistungen aus, das entspricht über 17% des Bruttoinlandprodukts. Die Hälfte davon entfällt auf die Kommunen. Als große Auftragsgeber mit solch umfassendem Auftragsvolumen kommt den Stadtverwaltungen eine bedeutende Rolle und Verantwortung zu.
Berücksichtigt die öffentliche Hand soziale und ökologische Kriterien beim Einkauf, kann sie als Vorbild für Unternehmen und Konsumenten fungieren und zu einer Verbesserung der Lebenssituation, vor allem in Schwellen- und sogenannten Entwicklungsländern, beitragen.
Die Philosophie des fairen Handels und der gerechten, nachhaltigen Beschaffung hat sich bei den Verantwortlichen des Beschaffungswesens in Deutschland bisher kaum etabliert, obwohl es zahlreiche gute Gründe gibt, sich für den fairen Handel zu entscheiden. Dabei betreffen eine Vielzahl von Produkten auch die öffentliche Hand.
Das neue Tariftreue- und Vergabegesetz NRW 2012 setzt rechtliche Rahmenbedingungen, die den Entscheidungsträgern im Beschaffungswesen rechtliche Grundlagen schaffen, nach öko-sozialen Kriterien einzukaufen.
Im Januar 2012 wurde im Beschaffungsamt des Bundesinnenministeriums eine Kompetenzstelle für nachhaltigen Einkauf eingerichtet. Es soll darauf hin arbeiten, dass nachhaltige Kriterien verstärkt in den öffentlichen Einkauf eingebettet werden. Die Kompetenzstelle dient den Vergabestellen des Bundes, der Länder und der Kommunen, potentiellen Bietern aus der Wirtschaft, Nichtregierungsorganisationen und anderen Experten zu diesem Thema.
Mit unserem Angebot in Form von Workshops, Tagungen und der Netzwerkinitiative unterstützen wir kommunale Beschaffer bei den Möglichkeiten einer sozial gerechten Auftragsvergabe und beraten sie. Darüber hinaus gibt es vielfältige Materialien unterschiedlicher Organisationen, die zu dem Thema Fachpublikationen herausgegeben haben.








