Gerechte Weltwirtschaft reduziert Fluchtursachen

Der Verband entwicklungspolitischer Organisationen in Deutschland VENRO, in dem auch das Eine Welt Netz NRW Mitglied ist, fordert  von der EU die Einrichtung sicherer Fluchtwege und ein neues Verfahren zur Aufnahme und Verteilung von Flüchtlingen. Mittelfristig muss die Bekämpfung der Fluchtursachen im Zentrum aller Anstrengungen stehen.

 

„Das Umherirren und das Verschieben von Flüchtlingen in Europa zwischen einzelnen Ländern muss ein Ende haben“, sagt Dr. Bernd Bornhorst, Vorstandsvorsitzender von VENRO. Die Einigung der EU-Innenminister, 120.000 Flüchtlinge europaweit zu verteilen, sei ein erster Schritt, greife aber zu kurz. „Die EU muss sichere Fluchtwege einrichten und sich auf ein neues Verfahren zur Aufnahme der Flüchtlinge einigen.“ Nur dann könnten weiteres Leid und Todesfälle auf den Fluchtrouten nach und durch Europa verhindert werden.

 

„VENRO begrüßt das humanitäre Signal der Bundesregierung und die unbürokratische Aufnahme von tausenden Flüchtlingen. Wir dürfen aber nicht vergessen: Über 11 Millionen Menschen sind innerhalb Syriens auf der Flucht oder haben sich in die unmittelbaren Nachbarländer geflüchtet“, so Bornhorst. „Eine Stabilisierung der Nachbarländer Syriens mit direkter humanitärer und finanzieller Unterstützung ist dringend notwendig.“ Auch eine angemessene Finanzierung des UN-Flüchtlingshilfswerkes und des World Food Programme seien jetzt erforderlich. 

 

„Um den Krieg und die humanitäre Katastrophe in Syrien endlich zu beenden, muss die EU eine politische Lösung vorantreiben und Kontakte mit allen maßgeblichen Akteuren aufnehmen“, so Bornhorst weiter. Weltweit sind 60 Millionen Menschen auf der Flucht. Das ist die höchste Zahl seit Ende des Zweiten Weltkrieges. „Die Bekämpfung der Fluchtursachen muss mittelfristig im Zentrum aller Anstrengungen stehen“, sagt Bornhorst weiter.

 

„Entwicklungszusammenarbeit kann dabei eine Rolle spielen. Vor allem aber bedarf es einer fairen globalen Wirtschafts- und Handelspolitik, die Entwicklungsländer nicht länger als Rohstofflager oder Absatzmarkt sieht.“

 

www.venro.org

 

Bild: Großplakat-Aktion des Eine Welt Netz NRW mit der GEPA im Frühjahr 2015 in ganz NRW (Foto: M.Belle)

NRW-Klimaschutzplan: gut, aber nicht gut genug

Der am 14. April 2015 vom Landeskabinett beschlossene NRW-Klimaschutzplan findet bei entwicklungspolitischen Organisationen ein überwiegend positives Echo. Das Land übernehme Verantwortung für den Klimaschutz und damit für die Menschen in ärmeren Ländern, die besonders von den Folgen des Klimawandels bedroht seien. Allerdings zeigt die jetzt vorgelegte NRO-Studie „Klimaschutz mit Weitblick“ dass für Klimaschutz und eine gerechte Entwicklung wesentlich weitergehende Maßnahmen notwendig sind.

 

Veröffentlicht wurde die Studie vom SÜDWIND-Institut, dem Amt für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung (MÖWe) der Evangelischen Kirche von Westfalen sowie von der Entwicklungsorganisation Germanwatch.

 

Im Klimaschutzplan wird an Kohle als wichtigem Energieträger festgehalten, statt Überkapazitäten abzubauen. „Nicht nur im Sinne eines ambitionierten Klimaschutzes, sondern auch aufgrund der Folgen des Kohleabbaus in Entwicklungsländern sollte der Klimaschutzplan noch stärker auf den Ausbau erneuerbarer Energien setzen, besonders auf Wind und Sonne", sagt Stefan Rostock, NRW-Fachpromotor für Klima und Entwicklung bei Germanwatch.

 

Er ergänzt, dass die Landesregierung es versäumt habe zu zeigen, wie das NRW-Ziel von minus 25 Prozent CO2-Emissionen  bis 2020 mit dem Ziel der Bundesregierung von  minus 40 Prozent  bis 2020 vereinbar ist. "Das Wort ‚Klimaschutz‘ verdient der Plan nur, wenn die Landesregierung sicherstellt, dass die Verringerung der Emissionen im Stromsektor in NRW ausreicht, um das deutsche Klimaschutzziel zu erreichen", so Rostock.

 

Energieerzeuger in NRW importieren derzeit Steinkohle aus Kolumbien und Südafrika. Studien zeigen aber, dass der Steinkohlebergbau in der NRW-Partnerregion Mpumalanga in Südafrika die Wasserversorgung vieler Menschen und der Landwirtschaft bedroht, weil saure Grubenwässer ungehindert aus Minen austreten.

 

Zudem soll laut Klimaschutzplan Biomasse bei der künftigen Energieerzeugung in NRW eine wichtige Rolle spielen. Damit werden aber auch Importe aus Entwicklungsländern weiter zunehmen.

 

„Der wachsende Anbau von Energiepflanzen wie Palmöl und Zuckerrohr gefährdet in vielen Regionen die Lebensgrundlagen der Menschen. In West-Papua werden zum Beispiel Einheimische für Zuckerrohr- oder Palmölplantagen von ihrem Land vertrieben", erläutert Katja Breyer von der Fachstelle Eine Welt im Amt für MÖWe. Sie fordert: "Ökologische und soziale Standards müssen bei Importen gewährleistet werden. Zudem müssen im Klimaschutzplan vor allem Energieeinsparung und -effizienz gefördert werden, zum Beispiel durch neue Mobilitätskonzepte."

 

Problematisch für Klimaschutz und eine gerechte Entwicklung ist auch der hohe Futtermittelbedarf in NRW und ganz Deutschland: In Paraguay wie auch in anderen Ländern Lateinamerikas ist der Anbau von Soja dramatisch gewachsen - auch zulasten von Waldflächen. Nur ein sehr kleiner Teil der Bevölkerung profitiert von dem Soja-Boom, die ungleiche Verteilung von Land verschärft sich weiter. „Unser hoher Fleischkonsum ist ein wichtiger Treiber des Klimawandels, auch wenn die Emissionen fernab von NRW ausgestoßen werden“, stellt Irene Knoke, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei SÜDWIND, fest. „Dies wird im Klimaschutzplan leider viel zu wenig berücksichtigt. Es sollten weitere Maßnahmen verankert werden für eine nachhaltige, klimafreundliche Landwirtschaft und dabei für weniger Fleischverbrauch.“

 

Die Studie kann über info@suedwind-institut.de bestellt werden.

 

www.suedwind-institut.de

 

Link zur Info des NRW-Umweltministeriums

 
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