"Wann kommt das FEB-Diplom?"

Die Akquise von Zuschüssen aus dem Förderprogramm für entwicklungspolitische Bildungsarbeit (FEB) wird von Engagierten als zunehmend schwieriger empfunden. Da FEB zu den wichtigsten Förderprogrammen des Globalen Lernens gehört, ist das für viele Initiativen ein ernstes Problem. Wird hier Engagement durch Bürokratie ausgebremst oder ist der Aufwand nötig, um eine sorgsame Verwendung von Steuergeldern zu garantieren? Am 1. März 2015 "brüllte der bayerische Löwe"!

 

Im Brief, der vom Zusammenschluss Bayerischer Bildungsinitiativen an das Entwicklungsministerium (BMZ) und die Durchführungsorganisation Engagement Global gGmbH ging, heißt es wörtlich:

 

„Mit E-Mail vom 29. Januar 2015 werden von der staatlichen Durchführungsorganisation Engagement Global drei zusätzliche / neue Beratungsseminare angeboten: „Zuwendungsrecht“, „Vergaberecht“ und „Reisekostenrecht“. Allein das Seminar Zuwendungsrecht dauerte vom 25.2. – 27.2.2015. Klassisch: es findet unter der Woche statt, so dass die Entwicklungsbürokraten ziemlich unter sich bleiben. Zur Erinnerung: angeboten werden noch ein „Einsteigerseminar“, ein „Vertiefungsseminar“ sowie noch ein Seminar zu „Wirkungen, Indikatoren, Zielen“.

 

Wer heute als NGO einen Antrag im Rahmen des Förderprogramms entwicklungspolitische Bildung FEB  stellt, sollte also schon 12 bis 15 Tage Zeit für Seminare mitbringen und eine Menge sehr spezifischen Verwaltungswissens anhäufen. Schilda lässt grüßen. Ist die staatliche Durchführungsorganisation Engagement Global nicht in der Lage, die wichtigsten Infos für Antragsteller auf ihrer entsprechenden Webseite in komprimierter und verständlicher Form zur Verfügung zu stellen? Muss diese Seminaritis sein?

 

Versetzen Sie sich bitte in die Situation, ehrenamtlich in Ihrer Stadt in einem Eine Welt-Arbeitskreis tätig zu sein. Dieser Verein leistet entwicklungspolitische Bildungsarbeit und erfährt von der Fördermöglichkeit durch FEB. Sie nehmen um der Sache willen an einem Einführungsseminar teil, da kein anderes Vorstandsmitglied Zeit hat und Sie neben ihrer pädagogischen auch eine kaufmännische Ausbildung haben. Sie müssen Urlaub nehmen; je nach Tagungsort bis zu 3 Tage. Anschließend besprechen Sie sich mit den VorstandskollegInnen. Es folgen Antragsentwurf, Diskussion, Änderungswünsche, Erstellung Kostenplan, etc. – wenn wir ehrlich rechnen, dann sind schon über 100 Stunden ehrenamtlicher Arbeit angefallen. Und viel Ärger mit den fragwürdigen sowie komplizierten Formularen.

 

Ihr Verein reicht also zum 31. Oktober 2014 einen Projektantrag im Rahmen des Förderprogramms entwicklungspolitische Bildung FEB ein. Auch 2015 müssen Sie bis zum Frühjahr auf Antwort warten (2013 und 2014 mussten Sie sogar bis Juli des Folgejahres warten). Ca. Mitte des Jahres haben Sie dann evtl. einen Vertrag vorliegen – nachdem zuvor nochmals Rückfragen beantwortet werden mussten oder Kürzungsvorschläge zu unterbreiten waren. Später sitzen Sie an einer Abrechnung, deren Logik ihresgleichen sucht. Hier gehen so manche Wochenenden und / oder Urlaubstage drauf.  Der Vereinsnachwuchs ist für diese nervtötende Arbeit nicht zu gewinnen und – by the way – erst recht nicht die uns ständig als „Ressource“ in Erinnerung gebrachte sog. Diaspora-Community. Verständlich! Ihre VorstandskollegInnen schütteln wie die gesamte entwicklungspolitische Basis nur noch den Kopf: Wir wollen Bildungsarbeit leisten, wir engagieren uns für mehr Gerechtigkeit in der Welt! FEB  steht leider für Formular ersetzt Bildung.

 

Es kann nicht sein, dass unser Engagement, unsere freie Zeit in immer mehr Bürokratie investiert werden soll. Die Politik redet gleichzeitig immer von Bürokratieabbau. Wir sind sehr für eine sachgemäße und transparente Mittelverwendung. Aber die Praxis von FEB ist rundherum eine Zumutung und zum Scheitern verurteilt. Antrags- und Abrechnungsverfahren sind vor allem ohne Verwaltungsapparat untauglich.

 

Engagement Global schreibt sich unter anderem die Qualifizierung von Ehrenamtlichen auf die Fahnen, zielt mit FEB aber nur aufs Zurechtstutzen für die Bedürfnisse der eigenen Monsterbürokratie. Es kann nicht angehen, dass uns empfohlen wird, ein Detailseminar nach dem anderen zu besuchen, um im Kampf mit dieser Bürokratie zu bestehen. Wir wollen keine Angestellten im Bundesverwaltungsdienst werden und auch kein FEB-Diplom erwerben.

 

Bitte, setzen Sie sich dafür ein,

 

  • dass die entwicklungspolitischen Förderprogramme umgehend entbürokratisiert werden,
  • dass Engagement Global die wichtigsten Infos zu den Förderprogrammen in komprimierter Form im Internet aufbereitet,
  • dass Vertrag und allgemeine Nebenbestimmungen künftig so formuliert werden, dass sie einem Verein mit ehrenamtlich Tätigen nicht vorkommen wie Knebelverträge,
  • dass Engagement Global maximal drei Monate Zeit für die Bearbeitung eingegangener Anträge beansprucht."

 

Unterzeichner:

 

Fritz Letsch, Heinz Schulze (Vorstand)

 

Zusammenschluss Bayerischer Bildungsinitiativen e.V. (ZBB)

c/o EineWeltHaus München

Schwanthalerstr. 80

80336 München

 

http://zbb-muenchen.blog.de/

 

Foto: Passende Baumwolltasche von www.meinherzschlag.de.

               

 
FUSSZEILE
  
linkarena google wong webnews yigg_de delicious furl yahoo facebook

Eine Welt Netz NRW e. V.  -  Achtermannstraße 10-12  -  48143 Münster
Tel.: 02 51 / 28 46 69 0  -  Fax: 02 51 / 28 46 69 10
Email: info@eine-welt-netz-nrw.de
 
 
IMPRESSUM

MARGINALSPALTE

  Veranstaltungskalender
Do - 29.09.2016 (+)   Bonn
„Fluchtursachen verstehen!“
Fr - 30.09.2016 (+)   Münster
Bedrängte Christen
Fr - 30.09.2016 (+)   Essen
DORTHIN WO MILCH UND HONIG FLIESSEN
Fr - 30.09.2016 (+)   Siegen
Für ein gutes Leben ohne Kohle
Fr - 30.09.2016 (+)   Bielefeld
Adjiri Odametey & Band - WELTNACHT ...
Fr - 30.09.2016 (+)   Hamm
Poetry Slam GRENZENLOS
  Weitere Veranstaltungen ...

 

Kurzfilm: Eine Welt Arbeit in NRW (Klick)

Eine Welt Netz NRW - Startseite