Wir fordern: Kürzungen in der internationalen Jugendarbeit rückgängig machen!

„Die größten Chancen unserer beiden Kontinente für nachhaltige Entwicklung liegen in der partnerschaftlichen Zusammenarbeit. […] [dafür] braucht es ein vertrauensvolles Miteinander auf Augenhöhe – hierbei kommt den zivilgesellschaftlichen und persönlichen Beziehungen der Bürgerinnen und Bürger eine entscheidende Rolle zu.“

Mit diesen Worten beschreibt das Deutsch-Afrikanische Jugendwerk (DAJW) seine Mission. Umso gravierender ist die heute, am 10. Juli 2026, bekannt gegebene Entscheidung, das Programm zum 31. Dezember 2027 einzustellen. Nach dem angekündigten Aus für kulturweit ist dies ein weiterer massiver Einschnitt in die internationale Jugendarbeit.

Das DAJW wurde im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) von Engagement Global umgesetzt. Seit 2021 ermöglichte es Jugendgruppen zwischen 16 und 30 Jahren sowie jungen Fachkräften internationale Begegnungen, Hospitationen und gegenseitigen Wissensaustausch. Besonders wertvoll war dabei der partnerschaftliche Ansatz: Die Förderung ermöglichte Begegnungen in beide Richtungen. Junge Menschen aus afrikanischen Ländern konnten nach Deutschland kommen, während deutsche Teilnehmende Erfahrungen in Partnerländern sammelten. Diese Gegenseitigkeit ist die Grundlage echter Zusammenarbeit auf Augenhöhe.

Auch das Eine Welt Netz NRW hat in den vergangenen Jahren vielfach vom DAJW profitiert. 2022 absolvierte unsere Mitarbeiterin Svenja Bloom eine sechswöchige Hospitation bei einer Partnerorganisation in Uganda. Im Gegenzug besuchte uns der ugandische Fachkollege Solomon Rackara für sechs Wochen in Münster. Aus dieser Zusammenarbeit entstand unter anderem der deutsch-ugandische Jugendaustausch „World Wide Gender Justice“, der ebenfalls durch das DAJW gefördert wurde. Darüber hinaus konnten mit Unterstützung des DAJW und der Beratung durch unsere Fachpromotorin Vera Dwors sechs weitere Jugendprojekte – insbesondere mit unseren Partnerorganisationen in Südafrika – realisiert werden; unter anderem findet aktuell die Jugendbegegnung „Roots of Music“ mit Gruppen aus Soest und Cape Town statt.

Diese Projekte haben weit mehr bewirkt als einzelne Begegnungen. Sie haben langfristige Partnerschaften zwischen zivilgesellschaftlichen Organisationen gestärkt, jungen Menschen prägende Lernerfahrungen ermöglicht und Freundschaften über Kontinente hinweg entstehen lassen. Wer gemeinsam lebt, arbeitet und voneinander lernt, baut Vorurteile ab und entwickelt Verständnis füreinander. Internationale Jugendbegegnungen sind deshalb ein wirksamer Beitrag gegen Rassismus, Nationalismus und demokratiefeindliche Entwicklungen.

Mit der Einstellung des DAJW wird es künftig deutlich schwieriger, teilweise unmöglich, zivilgesellschaftliche Jugendaustausche zwischen Deutschland und afrikanischen Ländern zu organisieren. Internationale Begegnungen sind kostenintensiv – gleichzeitig sollen sie jungen Menschen unabhängig von ihrer sozialen oder finanziellen Situation offenstehen. Teilnahmebeiträge können diese Kosten daher nicht auffangen und bereits heute gibt es nur sehr wenige Förderprogramme für den Austausch mit afrikanischen Partnerländern. Mit dem Wegfall des DAJW verschwindet eine der wenigen Fördermöglichkeiten, die echte gegenseitige Begegnungen ermöglicht hat.

Dabei sind gerade diese Begegnungen unverzichtbar. Globales Lernen entsteht nicht allein im Seminarraum, sondern durch das unmittelbare Erleben anderer Lebensrealitäten. Junge Menschen erweitern ihre Perspektiven, hinterfragen vermeintliche Selbstverständlichkeiten, verbessern ihre Sprachkenntnisse und entwickeln Kompetenzen, die in einer global vernetzten Welt unverzichtbar sind. Wer das andere kennenlernt, blickt zugleich mit neuen Augen auf die eigene Gesellschaft.

Die Entscheidung zur Einstellung des DAJW steht beispielhaft für einen besorgniserregenden Trend: Während demokratische Werte weltweit unter Druck geraten, Nationalismus und Rassismus zunehmen und globale Krisen internationale Zusammenarbeit dringender denn je machen, werden ausgerechnet diejenigen Programme gekürzt, die Dialog, gegenseitiges Verständnis und internationale Solidarität fördern.

Programme wie das Deutsch-Afrikanische Jugendwerk und kulturweit sind keine freiwillige Zusatzleistung. Sie sind eine Investition in eine demokratische, vielfältige und friedliche Zukunft.

Als Eine Welt Netz NRW fordern wir die Bundesregierung auf, das Deutsch-Afrikanische Jugendwerk und kulturweit nicht einzustellen, sondern langfristig zu sichern und auszubauen. Statt weiterer Kürzungen braucht die internationale Jugendarbeit verlässliche Förderstrukturen. Denn wer internationale Begegnungen abbaut, schwächt die Zivilgesellschaft – und verspielt Chancen für eine gerechtere und solidarischere Welt.