Wie lässt sich Demokratie im Alltag erlebbar machen? Wie entstehen Räume für Austausch, Beteiligung und gemeinsames Nachdenken über eine gerechtere Zukunft? Mit gleich zwei Veranstaltungen wurde dies in Coesfeld in den vergangenen Tagen auf kreative und inspirierende Weise umgesetzt. Im Rahmen des Projekts „Demokratie weltweit gestalten – Deine Stimme. Deine Welt. Dein Coesfeld.“ kamen Menschen zusammen, um sich auszutauschen, neue Perspektiven kennenzulernen und Demokratie aktiv mitzugestalten.

Fairer Feierabend: Austausch über Demokratie, Fairen Handel und globale Verantwortung

Beim „Fairen Feierabend“ im Fair Gehandelt Laden im Natz Tier Haus wurde schnell deutlich, wie wichtig Orte der Begegnung für eine lebendige Demokratie sind. Rund 40 Menschen aus Zivilgesellschaft, Politik und Stadtgesellschaft kamen zusammen, um bei fair gehandelten Getränken und Snacks miteinander ins Gespräch zu kommen.

Eingeladen hatten das Team des Fair Gehandelt als Mitglied des Bündnisses Gemeinsam.Demokratie.Leben.Coesfeld gemeinsam mit dem Eine Welt Netz NRW und vamos e.V. im Rahmen des „Coesfelder Frühling der Demokratie“.

Zwischen Gesprächskarten, persönlichen Begegnungen und intensiven Diskussionen entstand eine offene Atmosphäre, in der über Demokratie, globale Verantwortung, nachhaltige Stadtentwicklung und Fairen Handel diskutiert wurde. Besonders im Mittelpunkt stand die Frage, wie lokale Entscheidungen mit globalen Zusammenhängen verbunden sind.

Einen inhaltlichen Impuls gab Svenja Bloom vom Eine Welt Netz NRW. Sie sprach über den Zustand der Demokratien weltweit und machte deutlich, wie eng Demokratie, Menschenrechte und Fairer Handel miteinander verknüpft sind:

„Wir hier in Deutschland gehören zu den ca. 15 % der Weltbevölkerung, die in einer vollständigen Demokratie leben. Das gibt uns viele Möglichkeiten, uns für lokale und globale Veränderungen einzusetzen, aber auch die Verantwortung, unsere Möglichkeiten zu nutzen.“

Besonders persönlich wurde es durch die Einblicke von Ingrid Uphoff, die stellvertretend für das rund 30-köpfige ehrenamtliche Team des „Fair Gehandelt“ von den vergangenen drei Jahren berichtete. Der Laden hat sich in dieser Zeit zu weit mehr als einem Geschäft entwickelt – nämlich zu einem Ort für Begegnung, Bildungsarbeit und politische Diskussionen in der Coesfelder Innenstadt.

Die Veranstaltung bot zugleich Anlass, dem engagierten Team herzlich zum dreijährigen Bestehen zu gratulieren. Mit viel Herzblut und ehrenamtlichem Einsatz wurde ein Raum geschaffen, der Menschen zusammenbringt und zum Mitgestalten einlädt.

„Wenn Sie in Ihrem Leben noch freie Zeit haben – wir können Ihre Mithilfe gebrauchen. Egal mit welchen Stärken und Schwächen, in unserer Gruppe ist bestimmt Bedarf für genau Ihre Fähigkeiten.“

Im Laufe des Nachmittags sammelten die Teilnehmenden zahlreiche Ideen und Wünsche für die Zukunft Coesfelds – von nachhaltiger Stadtentwicklung über faire Beschaffung bis hin zur stärkeren Unterstützung zivilgesellschaftlichen Engagements. Sichtbar wurden diese Gedanken an einer Wäscheleine voller Ideen und Visionen, die künftig auch als Impulse für weitere Diskussionen in der Fairtrade-Steuerungsgruppe und im Stadtrat dienen sollen.

Eine Teilnehmerin brachte die Wirkung des Nachmittags besonders treffend auf den Punkt:

„Durch den Input und die Fragen habe ich besser verstanden, wie das, was wir hier tun, mit globalen Veränderungen zusammenhängt.“

Demokratie braucht Energie: Neues 3D-Kunstwerk in der Innenstadt eröffnet

Bereits am selben Tag wurde in der Coesfelder Innenstadt ein weiteres sichtbares Zeichen für Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt gesetzt: die Eröffnung eines großflächigen 3D-Straßenkunstwerks der Künstlerin Lydia Hitzfeld.

Das Kunstwerk zeigt eine fast leere Powerbank mit nur noch 12 Prozent Akkuladung. Über farbige Kabel sind Symbole für Frieden, Liebe, Vielfalt, Nachhaltigkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt angeschlossen. Die Botschaft ist klar: Demokratie und gesellschaftliche Werte sind keine Selbstverständlichkeit. Sie brauchen Aufmerksamkeit, Beteiligung und gemeinsame Energie.

Gleichzeitig vermittelt das Werk Hoffnung: Viele unterschiedliche gesellschaftliche Kräfte können dazu beitragen, Demokratie wieder „aufzuladen“.

Zur Eröffnung fand ein Straßentheater-Flashmob mit Schüler*innen des Pius-Gymnasiums statt. Die kreative Performance zog zahlreiche Passant*innen an und lud dazu ein, über Demokratie, Verantwortung und gesellschaftlichen Zusammenhalt ins Gespräch zu kommen.

Das Kunstwerk ist in der Kupferstraße zu sehen und lädt in den kommenden Wochen dazu ein, stehen zu bleiben, Perspektiven zu wechseln und miteinander ins Gespräch zu kommen.

Gefördert wird das Projekt von der Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW sowie von Engagement Global mit Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

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